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20. Juni 2013, Banking

Welche Vorteile hat ein Beratungsprotokoll für mich als Bankkunde?

Beratungsprotokoll: Ist die Einführung wirklich notwendig? Seit neustem ist das Verfassen eines Protokolls bei der Beratung Pflicht. Foto: Hemera

Mit der Verabschiedung des revidierten Kollektivanlagengesetzes sind Vermögensverwalter ab 1. Januar 2014 verpflichtet bei einem Kundengespräch über Anlagen ein Beratungsprotokoll anzufertigen. Der Kunde muss mit seiner Unterschrift dem Inhalt und der Richtigkeit zustimmen. Diese Massnahme soll vor Falschberatung schützen und gewährleisten, dass der Kunde den Beratungsprozess nachvollzogen hat. Aber ist so ein Beratungsprotokoll wirklich notwendig und welche Erfahrungen gibt es in Deutschland, wo dieses Verfahren bereits seit längerem angewendet wird?

Ein Beratungsprotokoll beinhaltet eine Dokumentation der durchgeführten  Anlageberatung und soll den Kunden vor einer Falschberatung schützen. In Deutschland müssen Finanzdienstleister seit 2010 ein Beratungsprotokoll erstellen und dem Kunden zur Unterschrift vorlegen.

Erfahrungen mit Beratungsprotokoll zwiespältig

Über Sinn und Zweck vom Beratungsprotokoll wurde lange debattiert. Ein zu hoher Aufwand bei der Beratung wurde angeprangert und einige Experten bewerteten das Beratungsprotokoll gar als sinnloses Dokument. Doch die Erfahrungen mit der Bank- Beratung in Deutschland und viele negativen Testergebnisse bezüglich der Beratungsqualität haben schliesslich dazu geführt, dass das Beratungsprotokoll auch in der Schweiz zur gesetzlichen Pflicht wird. Eine sinnvolle Entscheidung oder ein Flop? Was sagt die Praxis?

Die ersten Erfahrungen mit dem Beratungsprotokoll sind zwiespältig. Laut der deutschen Finanzaufsicht der Bafin muss ein Beratungsprotokoll folgenden Inhalt haben:

  • Informationen über die persönliche Situation des Kunden, die wesentlichen Anliegen und deren Gewichtung.
  • Angaben zum Anlass und zur Dauer des Beratungsgesprächs.
  • Informationen über die Finanzinstrumente und Wertpapierdienstleistungen, die Gegenstand der Anlageberatung sind.
  • Empfehlungen des Anlageberaters und die für diese Empfehlungen genannten wesentlichen Gründe.
  • Unterschrift des Kundenberaters.

Beratungsprotokoll ist hoher Aufwand

Der Kunde stimmt dem Inhalt vom Beratungsprotokoll mit seiner Unterschrift zu.

In der Vergangenheit gab es viele Beschwerden über die Bank-Beratung. Kunden fühlten sich falsch verstanden, Bankberater vermittelten Finanzprodukte, die der Kunde nicht verstand und Anlagestrategien zielten an den Kundenbedürfnissen vorbei. Viel Geld verloren Anleger, weil sie auf Empfehlungen des Beraters risikoreiche Finanzprodukte kauften, die hohe Verluste erzielten. Diese Auseinandersetzungen, die vor allem in der Finanzkrise eskalierten, waren Anlass dafür das Verhältnis Kunde und Bankberater auf ein neues Fundament zu stellen.

Kritik an Beratungsprotokoll auch in Deutschland

Das Beratungsprotokoll wurde ins Leben gerufen. Eigentlich eine sinnvolle Idee, doch die Praxis zeigt, dass zumindest in Deutschland noch einiges im Argen liegt.

Bankberater sind mittlerweile länger mit der Erstellung und Prüfung vom Beratungsprotokoll beschäftigt als mit der Beratung selbst. Der Kunde erhält ein mehrseitiges Protokoll, das so umfangreich ist, dass es viel Zeit zum Lesen braucht. Dies führt dazu, dass viele Kunden das Beratungsprotokoll ungelesen unterzeichnen.

Manche Berater händigen kein Beratungsprotokoll aus

Ziel war es eigentlich auch gewesen, dass Banken bei Falschberatung leichter in die Pflicht genommen werden können. Doch die Praxis zeigt das Gegenteil. Im Beratungsprotokoll verwenden Banken komplexe Formulierungen, die sie umfangreich vor Schadensersatzforderungen schützen. Und trotz gesetzlicher Pflicht fand die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg heraus, dass in 20 Prozent der untersuchten Fälle dem Kunden gar kein Beratungsprotokoll übergeben wurde. Und kein einziges Beratungsprotoll, das überprüft wurde, enthielt alle notwendigen Informationen.

Schwammige Begriffe, die den Handlungsspielraum des Beraters vergrösserten, keine klare Definition der Risikobereitschaft des Kunden und in 71 Prozent der Fälle wurden keine Angaben zu Provision und Nebenkosten gemacht. Sinn und Zweck vom gut gemeinten Beratungsprotokoll ist damit in Frage gestellt. Sollte das Beratungsprotokoll die Transparenz der Anlageberatung erhöhen hat sie diese erst einmal nur komplizierter gemacht.

Kompliziertes Beratungsprotokoll bei komplexen Finanzprodukten

Bankberater klagen über den enormen Zeitaufwand und einige Anlageberater versuchen Kunden auszutricksen, indem sie das Beratungsprotokoll so formulieren, dass sie bei Beschwerden oder Klagen nicht belangt werden können.

Trotzdem hat das Beratungsprotokoll auch Gutes bewirkt. Viele Banken bieten Kunden keine komplexen, risikoreichen Finanzprodukte mehr an, da in solchen Fällen ein Beratungsprotokoll sehr aufwendig und kompliziert ist. Und es bleibt zu hoffen, dass Kunden sensibilisiert werden und das Beratungsprotokoll genau studieren. Wenn dann noch die Finanzdienstleister darauf achten, das Beratungsprotokoll wahrheitsgetreu und verständlich zu formulieren kann es vielleicht eines Tages seinen gut gemeinten Dienst leisten.

Autor: Bianca Sellnow

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