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18. Juni 2013, Pensionierung

Stichwort Rentenkürzung: Aktuelle Fakten, Meinungen und Tendenzen

Rentenkürzung: Fakten zur Reform der Altersvorsorge Viele Menschen fürchten, ihren Lebensstandard nicht mehr halten zu können. Foto: iStockphoto

Das Thema Rentenkürzung schlägt weiterhin hohe Wellen. Ende des Jahres will der Bundesrat die Reform der Altersvorsorge in die Vernehmlassung schicken. Berufs- und Gewerkschaftsverbände haben bereits ihre Vorstellung präsentiert und Gegenvorschläge formuliert.

Durch die hohen Belastungen der Rentenkasse ist laut Regierung eine Reform der Altersvorsorge unumgänglich. Ansonsten sei eine Finanzierung der Renten zukünftig nicht mehr gewährleistet. Als das Thema Rentenkürzung die Runde machte, hagelte es Proteste. Viele Rentner und auch behinderte Menschen, die von der Rentenkürzung betroffen wären, hatten die Befürchtung, ihren Lebensstandard nicht mehr halten zu können.

Die Vielzahl der Debatten und Initiativen führte dazu, dass geplante Massnahmen noch einmal überdacht und extreme Einschnitte vermieden wurden. Der Bundesrat scheint sich darüber einig zu sein, dass das Rentenniveau gehalten werden soll und keine Rentenkürzung im eigentlichen Sinne durchgesetzt werden soll. Geplant ist vielmehr eine Erhöhung des Frauenrentenalters von 64 auf 65 Jahre.

Alternativen zur Rentenkürzung

Gegenvorschläge zu den Konzepten gab es in jüngster Vergangenheit viele. Etwa der Gewerkschaftsdachverband travail suisse und der Berufsverband KV Schweiz sprachen sich mit Nachdruck gegen eine Rentenkürzung aus. Auch den Plänen einer Erhöhung des Frauenrentenalters erteilten die Verbände eine Absage. Solch eine Massnahme entspreche nicht den Realitäten des Arbeitsmarktes, da Arbeitgeber der Beschäftigung älterer Mitarbeiter eh schon kritisch gegenüber ständen. So seien nur knapp mehr als die Hälfte aller Bürger zwischen 63 und 64 Jahren in einem Beruf tätig.

Steuererhöhung statt Rentenkürzung

Auch wenn die Experten der Verbände eine Rentenkürzung strikt ablehnen, sind sie sich darüber bewusst, dass der demografische Wandel eine Neufinanzierung der Altersvorsorge und Pensionskasse notwendig macht. Damit eine Rentenkürzung umgangen werden kann, sollte laut Verbänden die Erhöhung der Mehrwertsteuer oder eine Anhebung der Lohnabzüge ins Kalkül gezogen werden. Im Gegensatz zu einer Rentenkürzung oder Anhebung des Renteneintrittsalters seien hierbei die Auswirkungen auf die Lebensqualität der Bürger am geringsten. Eine Rentenkürzung sei auch deshalb undenkbar, da schon bei dem jetzigen Rentenniveau eine Beibehaltung der gewohnten Lebenshaltung mit Eintritt der Rente bei vielen Menschen nicht mehr gegeben ist.

Rentenkürzung nicht notwendig

Nach Angaben von travail suisse steht die schweizerische Altersvorsorge auf einem gesunden Fundament und eine Rentenkürzung ist nicht notwendig. Die 1. Säule der beruflichen Vorsorge, die AHV, und die 2. Säule sind finanziell gesund. 2012 hat die AHV ein Plus von über zwei Milliarden Franken erzielt und wird auch in den nächsten Jahren keine Finanzierungsprobleme bekommen. Die meisten Pensionskassen weisen einen Deckungsgrad von 100 Prozent auf, wodurch auch die berufliche Vorsorge abgesichert ist. Nach Berechnungen des Swisscanto Pensionskassen Monitors beträgt der durchschnittliche Deckungsgrad der privatrechtlichen Pensionskassen etwas weniger als 107 Prozent.

Rentenkürzung wegen demografischen Wandel

Anlass zu einer Diskussion über Rentenkürzung und Reform der Altersvorsorge ist die demografische Entwicklung in der Schweiz. Wenn die geburtenstarken Generationen das Rentenalter erreichen, ist eine Finanzierung der Altersvorsorge in Frage gestellt und eine Überarbeitung der Altersvorsorge notwendig. Auch die höhere Lebenserwartung sorgt für Probleme bei der Rentenfinanzierung. Finanzberechnungen kommen zu dem Ergebnis, dass die AHV für die Zeit ab 2025 einen zusätzlichen Finanzierungsaufwand benötigt, da sonst eine jährliche Unterdeckung von 50 Prozent entstehen würde.

Klares «Nein» zur Rentenkürzung

In den letzten Jahren haben die  stimmberechtigten Schweizer Bürger immer wieder gegen eine Rentenkürzung votiert. Auch einer Rentenaltererhöhung wurde nicht zugestimmt. 2010 wurde eine Senkung des Mindestumwandlungssatzes mit 70 Prozent «Nein-Stimmen» abgelehnt. Klare Signale dafür, dass eine Rentenkürzung genauso wenig im Sinne der Bevölkerung ist wie eine Verschiebung des Renteneintrittsalters.

Die Altersvorsorge gehört zu einer Grundsicherung und wurde in der Schweiz durch das Drei-Säulen-System fundamentiert. Schon heute bestehen bei nicht wenigen Menschen in der Schweiz, natürlich auch in anderen Ländern, Versorgungslücken, so dass eine private Altersvorsorge notwendig ist um bei Renteneintritt den Lebensstandard zu sichern. Weitere Einschränkungen durch eine Rentenkürzung könnten die Lage verschärfen, so dass mehr ältere Menschen Probleme haben, ihre Existenz zu sichern. Die Politik ist sich dieser Situation anscheinend bewusst, denn von unterschiedlichen Seiten ist zu hören, dass der Bundesrat keine Rentenkürzung vornehmen will.

Debatte auch im Ausland

Die Problematik bei der Finanzierung der Altersvorsorge ist übrigens kein typisch Schweizerisches Problem. Auch andere Länder wie beispielsweise Deutschland sind von demografischen Entwicklungen betroffen, die zu Diskussionen über eine Rentenkürzung führen. In Deutschland wurde deshalb die private Rentensicherung immens vorangetrieben, da eine Abdeckung der Lebenshaltungskosten im Alter mit der staatlichen Rente meist nicht gewährleistet ist.

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