Qontis Personal Finanz Manager Logo
19. Juni 2013, Krankenkassen

Privatversicherung oder gesetzliche Krankenversicherung?

Privatversicherung besser als gesetzliche Krankenversicherung? Die Krankenversicherung ist obligatorisch. Aber welche? Foto: Comstock

Eine Krankenversicherung muss jeder Bürger in der Schweiz abschliessen. Die Grundversicherung gewährleisten alle Versicherungen. Trotzdem gibt es Unterschiede zwischen einer gesetzlichen Krankenversicherung und einer Privatversicherung. Welche das sind und was Sie dabei beachten sollten, erfahren Sie hier.

Eine Krankenversicherung ist für jede Person mit Wohnsitz in der Schweiz obligatorisch. Innerhalb von drei Monaten nach Geburt oder Wohnsitznahme in der Schweiz muss ein Beitritt in eine Privatversicherung oder gesetzliche Krankenversicherung vollzogen werden. Es besteht ein freies Wahlrecht zwischen einer Privatversicherung und gesetzlich Krankenversicherung. Versicherer können Versicherungspflichtige nicht ablehnen.

In der Schweiz muss sich jedes Familienmitglied selbst versichern, Kinder zahlen jedoch geringere Beträge. Dies ist einer der wesentlichen Unterschiede des Schweizer Krankenversicherungssystems zum deutschen, bei dem die gesetzlichen Krankenkassen eine Familienversicherung anbieten.

Privatversicherung gewährleistet ebenso Grundversicherung

Weiterhin unterscheiden sich die Leistungen der jeweiligen Krankenkassen. Vor allem bei einer Privatversicherung kann es enorme Unterschiede zum Service einer gesetzlichen Krankenversicherung geben, was die Grundversicherung anbetrifft.

Bis zu CHF 1'000.- Tarifunterschiede bei Privatversicherung

Die Leistungen der Grundversicherung sind gesetzlich festgehalten und unterscheiden sich in der Schweiz bei den Versicherungsgesellschaften nicht. Trotzdem gibt es Unterschiede bei der Prämienhöhe und Prämienerhöhungen.

Ein Krankenkassenvergleich kann sich deshalb lohnen, denn Preisunterschiede von bis zu CHF 1'000.- im Jahr sind keine Seltenheit. Auch bei Servicequalität und Kulanz gibt es himmelweite Unterschiede. Wenn Sie unzufrieden sind und zum Ergebnis kommen, dass Ihre jetzige Krankenversicherung zu teuer ist, empfiehlt sich ein Wechsel.

Wechsel zu Privatversicherung zum 1. Januar

Da das Schweizer Recht vorsieht, dass jeder Versicherte jährlich die Krankenkasse wechseln kann, sollte eine Überprüfung der Privatversicherung oder gesetzlichen Krankenversicherung im Herbst erfolgen. Die Kündigung bei einer Krankenkasse muss nämlich bis Ende November des laufenden Jahres vollzogen werden, damit der Wechsel zum 1. Januar des Folgejahres gültig wird.

Noch immer gilt die öffentliche Meinung, dass eine Privatversicherung die bessere Alternative zu einer gesetzlichen Krankenversicherung ist. Doch das muss nicht sein. Studien beispielsweise in Deutschland unter 208 Tarifen von privaten Krankenversicherungen haben ergeben, dass eine Privatversicherung viel teurer sein kann als eine gesetzliche Krankenversicherung. Und auch bei Beratungsqualität und Zusatzservice überzeugt eine Privatversicherung nicht immer.

Tarife bei Privatversicherung kompliziert

Der Abschluss einer Privatversicherung kann kompliziert werden. Da die Vermittler bei einer Privatversicherung hohe Prämien erhalten, steht bei der Beratung oft der Abschluss im Mittelpunkt. Ob jeder Vermittler zum Wohle des Kunden berät, bleibt fraglich.

Hinzu kommt ein Tarifchaos. Unzählige Parameter und Kombinationen ergeben einen Dschungel an Tarifen, der für Laien undurchschaubar ist. Zudem muss mit Tariferhöhungen nach einer schweren Krankheit oder einer Erhöhung der Risikostufe gerechnet werden. Ein weiterer Nachteil der Privatversicherung: Im Rentenalter, wenn die Einkünfte geringer sind, werden die Tarife in den meisten Fällen nicht günstiger. Die hohen Belastungen bleiben oder steigen.

Im Gegensatz zu einer gesetzlichen Versicherung: Da sich die Beiträge nach dem Einkommen richten, werden sie im Rentenalter angepasst. Auch bei chronischen Erkrankungen darf die gesetzliche Versicherung die Tarife nicht anheben.

Privatversicherung ohne Demografieproblem

Doch auch die gesetzliche Krankenkasse hat ihre Nachteile. Oft verfügen sie über bürokratische «Wasserköpfe», so dass die Versicherten einen grossen Anteil der Prämie für die Verwaltung zahlen. Da oft kein Wirtschaftsanreiz besteht, ist die Servicequalität nicht immer die beste und durch den demografischen Wandel können die Kosten in Zukunft explodieren und Beitragserhöhungen verursachen. Auch ältere und chronisch kranke Menschen sind benachteiligt, da es nicht oder nur zu hohen Preisen möglich ist Zusatzleistungen abzuschliessen.

Privatversicherung mit individuellen Tarifen

Diese Probleme existieren bei einer Privatversicherung nicht in einem solchen Ausmass. Da sich bei einer Privatversicherung der Tarif nach der individuellen Situation des Versicherten orientiert, schlägt das Demografieproblem nicht zu Buche. Es lohnt sich also ein Prämienvergleich zwischen Privatversicherung und gesetzlicher Krankenversicherung. Vor allem wer Zusatzleistungen abrufen will, kann unter Umständen bei einer Privatversicherung besser aufgehoben sein. Auch bei der Beratungsqualität kann eine seriöse Privatversicherung Pluspunkte sammeln.

Privatversicherung oder gesetzliche Krankenversicherung? Die Entscheidung ist von den persönlichen Verhältnissen abhängig und kann nicht pauschalisiert werden. Unterschiede gibt es auf jeden Fall bei den Tarifen. Deshalb Augen auf, Angebote vergleichen, auf Vereinbarungen zu Tariferhöhungen achten und die Preise für Zusatzleistungen unter die Lupe nehmen.

Autor: Bianca Sellnow
Schlagworte
  • Privatversicherung oder gesetzliche Krankenversicherung?
    4.5 von 5 Sternen von 2 Bewertungen0
Mehr über Krankenkassen
Qontis

Heinrichstrasse 269, 8005 Zürich, Schweiz

Swiss Sign