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05. August 2014, Krankenkassen

Einheitskassen-Initiative: Was bedeutet eine öffentliche Krankenkasse?

Einheitskassen-Initiative: Was bedeutet eine öffentliche Krankenkasse? Die Einheitskassen-Initiative verlangt einheitliche Prämien für alle Versicherten. Foto: monkeybusinessimages / iStock / Thinkstock

Am 28.09.2014 findet die Abstimmung zur Einheitskassen-Initiative statt. Doch worum geht es genau bei der Volksinitiative «für eine öffentliche Krankenkasse»?

Herr Wirz, was kann ich unter der Einheitskassen-Initiative verstehen?

Die Initiative verlangt eine Einheitskasse pro Kanton mit einheitlichen Prämien für alle Versicherten. Die heutigen Versicherer würden somit ausschliesslich im Zusatzversicherungsgeschäft noch tätig sein.

Was würde sich mit einer Einheitskasse ändern?

Der Initiativtext lässt offen, ob es noch Kinder- und Jugendtarife geben wird, und ob Wahlfranchisen und alternative Versicherungsmodelle noch weiter bestehen werden. Die Rede ist ausschliesslich von einer einheitlichen Prämie pro Kanton. Es liegt auch auf der Hand, dass die Prämien von urbanen Regionen günstiger, die Prämien in ländlichen Regionen jedoch deutlich teurer werden. Kosten werden mit der Initiative jedoch keine gespart, lediglich umverteilt. Es ist sogar davon auszugehen, dass es wesentlich teurer würde, zudem hätten alle Versicherten neu zwei verschiedene Versicherungen, da die Zusatzversicherungen bei den heutigen Versicherern verbleiben würden.

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Welche Argumente gibt es «für eine öffentliche Krankenkasse»?

Wir haben ein sehr gutes Gesundheitssystem, aber auch ein sehr teures. Damit die Gesundheitskosten gedeckt werden können, müssen die Prämien Jahr für Jahr nach oben angepasst werden. Die Befürworter setzen genau dort an. Sie sind der Meinung, die privaten Krankenkassen verschleudern jedes Jahr rund 300 Millionen unserer Prämien für Werbekampagnen und Wechselkosten. Diese Kosten möchten Sie mit der Einführung von Einheitskosten einsparen und gleichzeitig eine stabile Grundversicherungsprämie und die Leistungsqualität der medizinischen Grundversorgung sicherstellen. Weiter wollen die Befürworter sicherstellen, dass die Kosten gleichmässig von allen Versicherten getragen werden.

Welche Argumente gibt es «gegen eine öffentliche Krankenkasse»?

Es sollte keine neue Monopolstellung, ähnlich der SUVA, geben. Ist die Einheitskasse da, muss die Prämie akzeptiert werden wie sie ist. Es gibt keine Ausweichmöglichkeiten mehr. Die Verwaltungskosten pro Prämienfranken betragen heute lediglich 5%. Die anderen 95% werden vollumfänglich für die Leistungserbringung der medizinischen Grundversorgung aufgewendet. Die SUVA hat wesentlich höhere Verwaltungskosten, so ist auch bei der Einheitskasse davon auszugehen, dass die Verwaltungskosten deutlich steigen dürften. Eine Annahme würde zu einem massiven Stellenabbau führen, zudem würde die Errichtung der Einheitskasse nach Schätzungen ungefähr 1,75 Milliarden kosten, die aus den Reserven finanziert werden sollen. Die aktuellen Massnahmen, mit dem angepassten Risikoausgleich, stellen bereits einen Schritt in die richtige Richtung dar, so dass die Einheitskasse nicht nötig ist und nur zu einer Verschlechterung der Dienstleistung sowie zu einem massiven Kostenanstieg führen würde.

Welches Fazit aus Sicht eines Versicherungsmaklers gibt es?

Die Schweiz braucht keine Einheitskasse um Prämien und Kosten zu senken. Es ist vielmehr eine komplette Reform des gesamten Gesundheitssystems gefragt und notwendig. Die Kosten in den Spitälern, bei den Ärzten sowie bei den Medikamenten müssen gesenkt werden. Wenn wir das erreichen, werden auch die Prämien stabilisiert oder günstiger. Der Gegenvorschlag, einen Risikopool zu eröffnen, um damit chronisch Kranke zu finanzieren, ist auf ziemlich taube Ohren gestossen. Es braucht konstruktive Vorschläge, um unser Gesundheitssystem nachhaltig finanzieren zu können. Wird die Einheitskasse an der Urne angenommen, ist die Möglichkeit, die Krankenkasse zu wechseln, wenn uns die Prämien nicht mehr passen oder die Dienstleistung nicht genügt, verloren. Zudem werden unzählige Stellen abgebaut, was für die Wirtschaft nicht sinnvoll ist. Im Übrigen werden damit keine Kosten eingespart, sondern es wird lediglich die Servicequalität reduziert.

Herr und Frau Schweizer sollten sich über ihr eigenes Verhalten Gedanken machen. Sehr hohe Kosten verursachen Besuche bei einem Hausarzt oder Spezialisten. Je mehr Versicherte wegen jeder Kleinigkeit zum Hausarzt oder sogar zum Spezialisten rennen, desto mehr steigen Kosten und damit die Prämien. Nicht nur grosse Spitäler haben teure MRI- und Röntgengeräte, sondern auch die privaten Arztpraxen. Diese Geräte müssen ausgelastet resp. amortisiert werden, d.h. die Patienten werden vorsorglich in die sogenannte „Röhre“ geschoben, obwohl diese präventive Untersuchung oftmals nicht zwingend ist. Ist das alles notwendig?

Autor: Stephan Wirz


Stephan M. Wirz ist Mitglied der Geschäftsleitung der Maklerzentrum Schweiz AG, der führenden Anbieterin von Krankenkassen- und Versicherungslösungen im Privatkundenbereich in der Schweiz.

 

 

 


 

In Zusammenarbeit mit

Maklerzentrum Schweiz

Autor: Bianca Sellnow

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